Tag Archiv für desperate housewives

ah, noch ein schwuler

vor 20 Jahren hab ich mich noch über jede einzelne lesbische figur im fernsehen gefreut. naja, es gab ja auch kaum welche, und wenn, dann musste man sie meist erst mal mühsam entschlüsseln. ich hab mich damals sogar über seltsame figuren gefreut. nancy aus “roseanne” zum beispiel fand ich total schräg, ich konnte mich überhaupt nicht mit ihr identifizieren. leon (auch aus “roseanne”) war der einzige schwule, den ich damals aus fernsehserien kannte, und den mochte ich auch nicht besonders. natürlich muss ich zugeben, dass darlene sowieso alle anderen in der serie überstrahlt hat. sie war zu meinem großen bedauern nicht lesbisch – auch wenn sich die schauspielerin, die darlene spielte (sara gilbert), jahre später als lesbisch herausstellte.

roseanne: darlene, nancy, leon © ABC

inzwischen bin ich offenbar anspruchsvoller geworden oder das thema ist heute einfach “normaler”. es gab in den letzten 20 Jahren so viele lesbische und schwule charaktere im fernsehen, dass mich die bloße existenz einer lesbe nicht mehr per se umhaut. natürlich* gibt es mehr schwule als lesben im fernsehen, ganz wenig bi- oder pansexuelle und noch viel weniger transidente oder intersexuelle menschen. wenn ich allein alle LGBTI-charaktere der letzten 20 jahre zusammenzähle, die prägnante rollen in US-amerikanischen fernsehserien hatten, komme ich auf ungefähr 100 – und da habe ich “the L word” und “queer as folk” noch nicht mal mitgezählt.

als “emily owens m.d.” neulich schon in der 1. staffel abgesetzt wurde, habe ich nicht mal mit der wimper gezuckt. emily’s beste freundin, die lesbische ärztin tyra, arbeitet im krankenhaus ihres vaters und hatte nach ein paar folgen bei ihm endlich ihr coming-out. er hat entspannt reagiert, und niemand hat verstanden, was die aufregung soll. tyras coming out war einfach keine puppy-episode**.

emily owens m.d.

© The CW

“anger management”, die neue serie mit charlie sheen, ist ein gutes beispiel dafür, wie gern schwule auch heute noch stereotyp dargestellt werden. ist doch immer noch für ein paar lacher gut. offenbar. außerdem gehört es ja schon lange zum guten ton, einen überdrehten, fröhlichen schwulen als wiederkehrende figur in so ziemlich jeder fernsehserien zu haben. wie mr. wolfe aus “suburgatory” zum beispiel oder auch louis aus “partners”, lee aus “desperate housewives”, bryan aus “the new normal”, irgendwie auch cameron aus “modern family” (obwohl ich die serie eigentlich mag).

modern family: cameron mit lily

© ABC

es gibt wenig subversive LGBTI-figuren in fernsehserien. neulich fiel mir in einem dramatischen moment auf, dass “the L word” (lief bis vor 4 jahren) und “queer as folk” (lief bis vor 8 jahren) bis heute immer noch mit abstand die serien mit den diversesten lebensentwürfen sind. bei aller kritik, die man (vor allem an “the L word”) haben kann: dort wurde wenigstens noch die RZB*** als ideale partnerschaftsform hinterfragt, allgemeine lebensentwürfe, karrierismus, rassismus, patriotismus, ableismus, identitätspolitik, aber auch alltägliche dinge wie das untergehen in der beziehung/familie thematisiert. was kam in den fernsehserien danach? lediglich beziehungswahn und der dauerbrenner adoption.

die zeiten, als ich mich noch über jede lesbe und jeden schwulen im fernsehen gefreut habe, sind wirklich vorbei. und dass aus “ellen”, “the L word” und “queer as folk” offenbar nur das thema familienplanung aufgegriffen wurde, mag nicht verwundern, aber schade ist es.

* nicht im sinne einer naturhaftigkeit, sondern entsprechend der gesellschaftlichen verhältnisse, wer ist präsent, wer weniger. alles kein zufall.
** http://www.emmytvlegends.org/blog/?p=5903
*** romantische zweierbeziehung

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everyone has a little dirty laundry

es war die beste aller serien, es war die schlimmste aller serien. ja, es gibt mit sicherheit bessere serien, aber auch weitaus schrecklichere als desperate housewives. nach 8 langen jahren lief in den usa jetzt die allerletzte folge.

die erste queere rolle war zu beginn andrew (shawn pyfrom), der teenage-sohn von bree van de kamp, dessen schwules coming out seit der ersten staffel thema war. teilweise sehr amüsant, wurde die darstellung des charakters aber auch kontrovers und oft als moralisch verwerflich diskutiert: andrews ständigen verbalen attacken bis zu komplexe intrigen vor allem gegenüber seiner mutter, bereits als jugendlicher besuche in strip-clubs, gebrauch von und dealen mit drogen, diverse verbrechen wie diebstahl, erpressung und eine fahrlässig mit dem auto überfahrene nachbarin.

Andrew

© ABC

als ihn seine mutter eines tages aussetzt, lebt andrew eine weile obdachlos und hält sich mit diebstahl und prostitution über wasser. nach dem fünfjahressprung zur hälfte der serie haben andrew und bree jedoch ein recht gutes verhältnis zueinander, so dass er als ihr persönlicher assistent arbeitet. seit der 6. staffel taucht andrew nur noch sporadisch auf. hat einen lebensgefährten. zieht mit ihm zusammen. hat ein alkoholproblem. wird von ihm verlassen. verliert seinen job. dazwischen sieht man ihn etliche episoden lang gar nicht. in der letzten staffel taucht er dann plötzlich mit einer frau auf, die er angeblich heiraten möchte. seine mutter durchschaut den plan schnell, und es stellt sich heraus, dass andrew seine verlobte nur aus geldgründen heiraten möchte und keineswegs plötzlich hetero geworden ist. die verlobung wird aufgelöst und bree will andrew helfen, sein leben wieder in den griff zu bekommen. von da an taucht andrew nicht mehr auf.

lee & bob

© ABC

bob (tuc watkins) und lee (kevin rahm) ziehen zur ablösung in die wisteria lane: das recht klischeehaft schwule paar, das in der 4. staffel der serie auftaucht und bis zum schluss bleibt – wobei „bleiben“ hier eine frage der definition ist, da bob und lee auch mehr durch abwesenheit glänzen und bald zudem nur noch als einzelpersonen auftauchen: bob als anwalt, der seine nachbar_innen der reihe nach bei verschiedenen gerichtsverfahren vertritt. lee als immobilienmakler, der immer dann zu sehen ist, wenn mal wieder jemand wegzieht. oder stirbt. ihre in der 7. staffel adoptierte tochter ist dann auch schnell wieder wie vom erdboden verschluckt. vermutlich ist sie schüchtern. oder schläft viel.

katherine

© ABC

ein noch größeres beispiel für queer absence ist katherine (dana delany), die ebenso in der 4. staffel der serie auftaucht. es folgen dramatische geschichten über ihre biologische tochter dylan (die schon als kleinkind bei einem unfall stirbt) und ihre adoptivtochter, die katherine dann als dylan großzieht, die flucht vor ihrem gewalttätigen ex-ehemann, rivalitäten zwischen ihr und bree und einer dreiecksgeschichte zwischen ihr, mike und susan. am ende der 6. staffel verliebt sich katherine plötzlich in robin (julie benz). als das verhältnis der beiden kurz darauf öffentlich wird, erklärt katherine panisch, dass es ihr zu wichtig ist, was andere menschen über sie denken, als das sie noch länger in der wisteria lane wohnen könnte. robin und sie fliegen deshalb in einen verlängerten urlaub nach paris und kommen von da an nicht mehr in der serie vor. in der allerletzten folge von desperate housewives taucht katherine doch noch mal auf, um lynette einen job anzubieten. katherine berichtet bei der gelegenheit, der urlaub in paris wäre doch nicht so prickelnd wie erhofft gewesen, da ihr dort nach drei monaten klargeworden ist, dass sie doch nicht lesbisch sei sondern männer bevorzuge.

desperate housewives

© ABC

desperate housewives war die beste aller serien – es war mit eine der ersten tv shows, die queere charaktere überhaupt vielfältig und komplex dargestellt haben. es war aber auch die schlimmste serie – die allzu oft auf klischees zurückgefallen ist und sich seit der 5./6. staffel zudem extrem verschlechtert hat, was die darstellung queerer charaktere angeht: sobald schwule männer volljährig sind, nimmt man sie nur noch im berufsleben wahr. und lesben ändern halt gern mal ihre meinung und finden dann doch wieder männer sexy.

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ich glotz tv

cougar town

© ABC / TBS

eine der enttäuschendsten serien für mich ist zur zeit cougar town. schon am anfang der dritten staffel seitdem grayson (josh hopkins) und jules (courteney cox) plötzlich heiraten wollen und seit seinem antrag unter dem klopapierbaum. es war schon ein schlechter start. dann ging es weiter mit travis (dan byrd), der sich am kopf verletzte und jetzt seit elend langen folgen einen helm trägt – es ist einfach nicht witzig. und als wäre das nicht schlimm genug, tauchte neulich noch eine ex-affaire von grayson mit einem kleinkind auf und der nachricht, es sei zur hälfte seins. nachdem jules und grayson also fast seit sie zusammen sind darüber diskutieren, ob sie noch ein kind haben möchten oder nicht, löst sich dieser zwist (er: ja, sie: nein) versöhnlich auf. praktischerweise ist graysons ex-affaire weder schlau noch besonders kinderfreundlich, so dass jules und grayson zur rettung des kindes eilen können. zu viel heirat, zu viel kinder, zu viel kleinfamilie. ich bin kurz davor, die serie nicht mehr weiterzugucken. so viel rotwein kann ich gar nicht trinken, um das alles auszublenden.

 

lost girl

© Showcase

eine weitere enttäuschung waren die letzten folgen von lost girl. ganz weit vorn der absurde tod der besessenen nadia (athena karkanis). als diese merkt, dass sie nicht mehr die kontrolle über sich hat, bittet sie darum, dass sie jemand töten möge – doch weder bo (anna silk) noch nadias partnerin lauren (zoie palmer) bringen es über sich. da startet nadia einen letzten angriff, bo ersticht sie und nadia sackt tot mit einem lächeln im gesicht auf dem boden zusammen. kurz und schmerzlos, und das nach der ganzen riesenstory, die über ewige folgen aufgebaut wurde, und dem elenden warten darauf, ob nadia wohl noch mal aus ihrem fünfjährigen koma erwacht. nachdem nadia erstochen ist, geht bo dann einfach mal wieder und lässt lauren mit ihrer toten freundin zurück. die storyline um dyson (kris holden-ried) finde ich übrigens auch schon lange nicht mehr spannend.

 

2 broke girls

© CBS

aber moment, ich muss meine aussage von eben doch noch revidieren. ich habe die schlimmste aller serien vergessen: 2 broke girls, das allerdings schon fast seitdem sie begonnen hat. und dabei hatte ich so große hoffnungen auf die serie gesetzt. allein dass die zwei ganz am anfang als ziffer stand fand ich toll. dann max (kat dennings), die ich mit ihren sakastischen kommentaren und der people-are-shit-haltung schon heimlich als die nachfolgerin von darlene (sara gilbert) aus roseanne feierte. vielleicht habe ich mich vom schrecklichen kellnerinnen-outfit verleiten lassen, das zu sehr an roseannes uniform bei „rodbell’s“ erinnert. doch was hat uns „2 broke girls“ gebracht?? schlechte sexwitze, vorhersehbare pointen und keine wirkliche storyline. am schlimmsten sind die vergewaltigungswitze, die max immer wieder gegenüber caroline (beth behrs) macht und bei denen ich mich immer frage, wer sowas bloß witzig findet. zB: „that sounds needy, like if someone asks you to come to their one-woman show. ‘somebody date raped me and I didn’t think I’d live through it, but I did and now I’m stronger,’ and still needy…” selbst wenn es geistreich wäre. rape jokes? really?!

 

happy endings

© ABC

zum glück gibt es auch noch gute serien. happy endings guck ich immer noch total gern; das neue friends, nur viel schlauer gemacht und ohne den homophoben dreck. von desperate housewives laufen grad die letzten folgen, die spannend sind. es wird mir fehlen, mich über susan aufzuregen. how I met your mother schaue ich mir auch gern mal an – außer wenn ted (josh radnor) auftaucht, dann überspringe ich die szene lieber. oder stell leise. oder guck mal eben, was bei facebook so los ist. und die immer wiederkehrenden andeutungen, dass lily (alyson hannigan) gern mal mit robin (cobie smulders) ins bett gehen würde, sind auch nur noch nervig. es hat schon fast „big bang theory“-charakter. ganz großes kino natürlich: once upon a time, das märchen ohne die üblichen helden im vordergrund, dafür mit einer menge tougher frauen. snowhite (ginnifer goodwin) blende ich immer ein wenig aus und konzentriere mich auf emma (jennifer morrison, die ich dagegen in „how I met your mother“ damals so gar nicht mochte) und auf die böse königin (lana parrilla). und ganz neu auf meiner liste: the river. schon allein, weil scott michael foster mitspielt, den ich in greek so großartig fand. greek – übrigens die serie mit einer der besten fernsehdarstellungen einer queeren figur. gleich nach true blood natürlich.

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